WasWirWollen

WasWirWollen- ein Teilhabeprojekt für Inklusionsklassen der Klassenstufe 8

 „Wir können keinen Schritt tun, ohne zu wissen warum. Wenn wir den Grund vergessen haben, bleiben wir stehen. Erst wenn wir wieder wissen, was wir wollten, gehen wir weiter. Wir müssen, um handeln zu können, verstehen, was wir wollen und tun.“            Peter Bieri

Schüler tun „was sie wollen“?

Schülerinnen und Schüler aus inklusiven 8. Klassen erhalten die Möglichkeit, ein selbst gewähltes Thema durch Kulturelle Bildung zu entfalten und zu präsentieren. Ein Schulhalbjahr lang wird ein Tag in der Woche zu einem Kulturellen Bildungstag umgewandelt.  Durch partizipative Methoden finden die Schülerinnen und Schüler ein klasseninternes Projektthema.  Für die praktische Umsetzung ihres „Was Wir Wollen“- Projektes können die Schülerinnen und Schüler eine Sparte der Kulturellen Bildung (Theater, Tanz, Film, Bildende Kunst, Skulptur/Plastik) wählen. Im Idealfall entsteht eine zahlenmäßig homogene Aufteilung in Kleingruppen. Externe Künstler begleiten die gesamte Klasse als Forum sowie die Kleingruppen als Teilforen bei der Findung Planung, Umsetzung, Dokumentation und Präsentation ihrer Erfahrungen und Ergebnisse. Eine Sonderschullehrerin mit der Zusatzqualifikation als Spiel- und Theaterpädagogin koordiniert das Projekt und moderiert die Prozesse.

Ausgangsüberlegungen:

Inklusion als Chance

Die Bildungslandschaft Schleswig-Holstein unterliegt einem starken Wandel. Die von der BRK geforderte Inklusion führt zur Auflösung von Förderzentren und Umwandlung in Schulen ohne Schüler, welche Sonderschulpädagogen zur Prävention, Unterstützung und Beratung in Regelschulen entsenden.  Viele Schulen stehen diesbezüglich vor der Notwendigkeit ein inklusives Konzept zu entwickeln, ihr Profil zu schärfen.

Soll die Einbindung von Kindern mit Förderbedarf in Regelschulen gelingen, so ist ein Umdenken bezüglich der Ressourcen  Zeit, Raum und Kraft erforderlich. Gerade Kinder, die aus einem Umfeld kommen, welches ihre körperliche, seelische und geistige Entwicklung zu behindern droht, benötigen vielfältige Zugangsweisen zu schulischen Bildungsangeboten.  Angebote Kultureller Bildung könnten  hier als Brückenpfeiler auf dem Weg gelingender Inklusion gesehen werden. „Insbesondere Kinder und Jugendliche in belasteten und prekären Lebenssituationen brauchen für ein gelingendes Leben Erfahrungen des Zusammenhangs von Lernen und Glück, von Autonomie und Handlungsmächtigkeit. …Die Kulturelle Bildung ist ein geeignetes Format, „Wissen lernen“, „Können lernen“, „Leben lernen“ und „Lernen lernen“ in einem ganzheitlichen Bildungsansatz zu verbinden. “ 1

Beteiligen- Vernetzen – Wirksam sein durch Kulturelle Bildung

Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf Lernen hatten bislang die Möglichkeit demokratische Prozesse durch Mitarbeit in den Landesschülerparlamenten für Förderzentren zu erleben.  Um Schülerinnen und Schüler mit Förderbedarf diesbezüglich weiterhin Gelegenheit zu geben, sollte es Projekte geben, die „Demokratie“ erlebbar machen. Der in Berlin vorgestellte vierte nationale Bildungsbericht 2012  hatte Kulturelle Bildung  zum Schwerpunktthema. Unbestritten positiv äußern sich Experten zur sozialen Wertschöpfung: „Kulturelle Bildung“ sei ein Schlüssel zu mehr Teilhabegerechtigkeit und zentral für die Persönlichkeitsentwicklung. „Es sind die der Kulturellen Bildung immanenten Prinzipien der Teilhabe und Mitgestaltung sowie des ganzheitlichen und praktischen Agierens. … Kinder und Jugendliche spüren, dass ihnen dadurch authentische Ausdrucksmöglichkeiten eröffnet werden. … Kulturelle Bildung trägt über die Auseinandersetzung mit ästhetischen und kulturellen Erscheinungsformen dazu bei, Kindern und Jugendlichen einen individuellen selbsttätigen und selbst-bewussten Lebenssinn zu vermitteln. Dieser Punkt ist politisch-gesellschaftlich entscheidend: Teilhabe und Mitgestaltung werden als urdemokratisches Grundprinzip in Unterrichtssituationen der Schule eingeführt.“ 2

Schlüsselkompetenzen fördern –Stärken stärken

Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 8 befinden sich in der Phase der Berufsorientierung. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auch auf dem Erwerb von „social skills“.  Inklusive Klassen fordert hier die Heterogenität ihrer Schülerinnen und Schüler im Bezug auf Entwicklungsalter und Leistungsvermögen besonders heraus. Angebote der Kulturellen Bildung können den Erwerb und die Festigung von Schlüsselkompetenzen wie Selbstorganisation, Ausdauer, Toleranz, Reflexionsfähigkeit, Ausdrucksfähigkeit, Empathie, Kreatives Denken nachhaltig unterstützen.

Der Lernzuwachs in selbstgewählten, selbstorganisierten Projekten ist immens. Innovative Methoden, die Dokumentation der Projektschritte in schülereigenen Portfolios und die Präsentation der Ergebnisse vor Publikum gehören zu nachhaltigen Elementen einer Bildungsbiographie. 3

Literatur:

1 BETEILIGEN UND VERNETZEN, Jahresbericht 2011, Bundesvereinigung Kulturelle Kinder-    und Jugendbildung e.V. , S. 9

2 Fischer, Georg. Warum Kulturelle Bildung Schule verändern kann. In: KULTURELLE     SCHULENTWICKLUNG, Magazin Kulturelle Bildung Nr. 3, 2009, Hrsg. Bundesvereinigung   Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e.V., S. 17

3 Rasfeld, Margret; Spiegel, Peter. EduAction. Berlin 2011