KohärentePflege

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KohärentePflege – Vom Individuum zum System

Kohärente Pflege bedeutet die prozessorientierte Entwicklung eines gesundheitsförderlichen Betriebsklimas durch die Erhöhung der Pufferfaktoren Motivation und Soziale Unterstützung. Die Realität zeigt in neusten Studien (DBfK- Meinungsumfrage 08/09), dass als behindernde Faktoren im Pflegealltag vorrangig schlechter Informations- und Kommunikationsstil, fehlende Partizipation und Transparenz seitens der Führungskräfte und ineffektiver Personaleinsatz von den Pflegekräften wahrgenommen werden. Dies deaktiviert die Motivationssysteme der Berufstätigen und führt zu stressbedingten Symptomen und letztendlich zum gefürchteten Burn-Out.

Hier sind Strategien gefragt, die trotz systembedingter Verdichtung von Abläufen den Blick auf den Menschen im Mittelpunkt behalten. Der Mediziner und Neurowissenschaftler Joachim Bauer (2008) weist im Gegensatz zur marktwirtschaftlichen Sichtweise mit dem Fokus auf Konkurrenz, auf die bislang unterschätzten Pufferfaktoren Motivation und Soziale Unterstützung mit Fokus auf Kooperation für den Erfolg eines Unternehmens hin.

Krankenhäuser, Pflegeheime sowie Ambulante Dienste sind Betriebe, in denen das Beziehungsgeschehen eine herausgehobene Rolle spielt. Daher ist eine Weiterbildung, die den Fokus auf Professionalisierung der Motivations- und Kooperationsfähigkeit legt im Pflegebereich dringend erforderlich, um das bestehende Personal zu halten, ihnen gesundheitsfördernde Strategien an die Hand zu geben und somit den Pflegeberuf wieder attraktiv zu gestalten.

Gesundheitsförderung in den Bereichen körperlich- konstitutionell, personal-psychisch und sozial- interpersonal

Im erweiterten Salutogenesemodell von T. Faltermaier (1994) obliegt jedem Menschen ein Potential an Gesundheitsressourcen aus unterschiedlichen Bereichen, um die eigene Gesundheit zu stärken. Auf den Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements übertragen sind unter Berücksichtigung der o.g. Pufferfaktoren nach Bauer Gesundheitsressourcen für die erfolgreiche Bewältigung des Pflegealltags unabdingbar.Innerhalb der Weiterbildung werden daher vielfältige Methoden angewandt um die Konstitutionskompetenz (körperlich- konstitutionelle Ressource), Personale Kompetenz (personal- psychische Ressource) und die Beziehungskompetenz (sozial- interpersonale Ressource) zu stärken.

Im Einzelnen geschieht dies über Übungen zur

  • bewussten Wahrnehmung der individuellen Konstitution,
  • bewussten Wahrnehmung persönlicher Emotionen, Kognitionen und Motivation
  • bewussten Wahrnehmung fremder Emotionen, Kognitionen und Motivation
  • achtsame Interaktion in Kommunikation und Re-Aktion
  • Reflexion systemischer Zusammenhänge

Implementierung gesundheitsfördernder Strukturen ins Qualitätsmanagement

Das Innovative der prozessorientierten Weiterbildung Kohärente Pflege liegt an der optimalen Theorie-Praxis-Verbindung. Die in den Seminaren erarbeiteten Inhalte werden von den Tandems verbindlich in den Praxisfeldern umgesetzt und für die jeweilige Institution passgenau ins Qualitätsmanagement eingepflegt. Die im Pflegealltag mit den neuen Strukturen gemachten Erfahrungen werden von den Teilnehmerinnen dokumentiert und im nächsten Seminar im Plenum präsentiert, diskutiert und reflektiert. Konstruktive Lösungen aus dem Pool der Seminargruppe fließen zurück in den Prozess des Qualitätsmanagements vor Ort. Jedes Seminarthema durchläuft diesen Zyklus, wobei die Seminarinhalte sich in ihrer Komplexität aufeinander aufbauen.

Eine Besonderheit ist die Entwicklung von Evaluationsinstrumenten im Fortlauf der Weiterbildung unter Partizipation der Teilnehmerinnen. So lassen sich im Prozess die eingeführten Strukturen auf ihre Wirksamkeit überprüfen.

Betriebliche Kohärenz – Vom kohärenten Subjekt zum kohärenten Betrieb

Mitarbeiter eines Betriebes sind keine Privatpersonen, die ihre Arbeitskraft losgelöst vom Unternehmensziel innerhalb einer Firma einige Stunden zur Verfügung stellen. Es bedarf der inneren Zustimmung der Privatperson zur übergeordneten Firmenphilosophie um sich als Mitarbeiter engagieren zu können. Gerade die Übereinstimmung, also die Einbindung in den Unternehmenskontext – in der Literatur als Kohärenz bezeichnet – vermittelt dem Mitarbeiter »Sinn« an seinem Arbeitsplatz.

Die wissenschaftlichen Untersuchungen zur Kohärenz zeigen, dass die subjektiven Konzepte von Mitarbeitern von ihren soziokulturellen und biographischen Bedingungen beeinflusst werden und ihre aktuellen Konzepte über das, was ein Unternehmen erfolgreich macht, bedingen.

Hier setzt das vorliegende Konzept an, indem die zu Experten der Kohärenten Pflege ausgebildeten Tandems neue partizipative Strukturen im Betrieb aufbauen und somit die Mitarbeiter aktiv in den Prozess der Qualitätsentwicklung mit einbeziehen.

Durch die im Seminar erarbeiteten Inhalte zu gesundheitsfördernden Strategien und die kontinuierlichen Praxisaufgaben der Tandems zum Aufbau gesundheitsfördernder Strukturen kommt es im Laufe der Zeit zu Bildung von Referenzsystemen im Betrieb. Für jeden Betrieb stellen die Tandems in Gesprächszirkeln mit den Mitarbeitern eigene Übereinkünfte zu den Bezugsrahmen: Stressbewältigung, Kommunikation, Gesundheitshandeln her.

Durch die konkrete Dokumentation und Präsentation der erprobten und implementierten Strukturen im Seminar kann die Wirksamkeit überprüft werden und das betriebliche Gesundheitshandeln modifiziert werden. Motivierte und engagierte Mitarbeiter, die ihr aktives Handeln als sinnvoll innerhalb der Unternehmenskultur erleben, tragen somit in einer bottom-up-Strategie zum Erfolg eines kohärenten Betriebes bei.

Rahmenbedingungen der Weiterbildung Kohärente Pflege mit insgesamt 240 Unterrichtsstunden (160 Std. Seminar/ 80 Std. Praxis)

Inhalte: 1. Vermittlung von Basiswissen aus den Bereichen:

  • Erweitertes Modell der Salutogenese nach Faltermaier
  • Konzept der Gesundheitsprophylaxe durch Stärkung der Beziehungskompetenz nach Bauer
  • Theaterpädagogische Methoden nach Boal und Johnstone
  • Kommunikationsmodelle nach Rogers, Rosenberg und Spiess

2. Erwerb individueller Strategien aus den Kompetenzbereichen

  • Konstitutionskompetenz
  • Personale Kompetenz
  • Beziehungskompetenz

Ziel:

  • Gesundheitsförderung und -erhaltung von Mitarbeitern in Pflegeberufen durch Stärkung der Konstitutions-, Personalen und Beziehungskompetenz
  • Aufbau eines Gesundheitsmanagement durch Implementierung gesundheitsfördernder Strukturen ins Qualitätsmanagement

Zielgruppe:
Die Ausbildung ist konzipiert für Pflegedienstleitungen, Pflegefachkräfte und Wohnbereichsleitungen aus Einrichtungen der stationären, teilstationären Einrichtungen der Altenhilfe und ambulanten Pflegediensten.

Tandems:
Erforderlich ist die Teilnahme als Tandem bestehend aus einer Leitungskraft und einer Pflegefachkraft.

Dauer:
Die Weiterbildung dauert 18 Monate und besteht aus 9 Seminaren im Abstand von jeweils zwei Monaten mit verbindlichem Theorie- Praxistransfer sowie einem Abschlussseminar mit Zertifikatsvergabe (insgesamt 160 Unterrichtsstunden)

Praxis:

  • Verbindliche Umsetzung der Praxisaufgaben nach jedem Seminar im Umfang von jeweils 10 Unterrichtsstunden (insgesamt 80 Stunden Praxisanteil)
  • Aufbau von Gesprächszirkeln
  • Schaffung der Referenzrahmen: Stressbewältigung, Kommunikation und Gesundheitshandeln
  • Erübung in den erworbenen Methoden
  • Dokumentation und Präsentation der Erfahrungen